Ich mache heute blau! Wie schön.
In der Tat. Zur Zeit herrscht ein wenig Landunter - um im ordnungsgemäßen Jargon der Klabautermänner und Hafensänger zu bleiben. Als Selbständiger hat man zwei Aufgaben: 1. Aufträge bearbeiten, 2. Aufträge akquirieren. Wenn nun der Aufwand für die Akquise anfängt, den notwendigen Aufwand zur Bearbeitung der akquirierten Aufträge aufzufressen, gerät allmählich etwas aus der Balance. Wenn dann noch die kleinen Anfragen zwischendurch vorbeischwimmen und große Fische verdrängen, wird´s vielleicht Zeit, seinen Meeresboden neu zu sortieren. Besonders unter erhöhter Zeitdichte, wie sie sich in den Tiefen der Wassermassen einzustellen pflegt. Aber Strukturen müssen ja im Fließen bleiben...
Blau machen. Die blaue Blume. Hymnen an die Nacht. The Mystery of Magritte. Ein Weizenfeld unter einem Gewitterhimmel. Van Gogh´s Sternennacht. Die Nachtfarbe des Meeres... - Jetzt kehrt eine Weile Stille ein. Ich sehne mich nach einem Meer voll Schlaf, hörte ich sie sagen. Ein Meer voll Stille. Wäre noch schöner. Ein blaues Meer und sein Brausen und die Weiten der Kaledoniden dazu. Ich mittendrin. Eine Möglichkeit. Ich hier. Eine andere. Den Tag blau machen. Ein bisschen Blues vielleicht. Aber vor allem die Weite und Ruhe einiger meerfühliger Stunden...
Wenn ich rausschaue, ist es stattdessen grün, und der Himmel legt sich in einem verwaschenen Graumetallic über die Wipfel. Heute ein Fest? Ich will alleine sein. Was seit geraumer Zeit Familie heißt. Alleine kommt ein wenig zu kurz. Aber alles hat seine Zeit! - Zeit? Wenn doch bitte alles seine Zeit hätte. Ein Meer voll Zeit! Aber wir leben ja alle in einem Ozean aus Zeitmangel. Oder etwa nicht?!
Ulrich Grober schrieb über den Ausstieg in die Zukunft. Das war in den 90er Jahren. Seither ist die Zukunft anders geworden. Globale Erwärmung und Klimaschutz sind in aller Munde. Neue Konzepte werden zu einem großen Teil von denjenigen Unternehmen gefressen, die den Bedarf, Neues zu konzipieren, mitverantworten. Dubiose Tochterunternehmen. Alibiangebote mit scheinbar weißer Wäsche. Was weiß man heute noch? Die weltweiten Strukturen sind wirr wie noch nie. Trotz grenzenlosen Wissens.
Können regenerative Energien den Bedarf decken? Hätte Sonnenenergie ohne Subventionen Überlebenschancen? Ist Geothermie gut oder schlecht, wenn die notwendigen Wärmepumpen mit Atomstrom betrieben werden? Braucht man Atommeiler, das feurige Spiel der Zauberlehrlinge, als "Übergangsenergie", wie manche meinen? Und wohin mit dem strahlenden Dreck, wenn die lächerlichen Zwischenspeicher zu lächerlichen Endspeichern werden müssen, weil man immer noch keine besseren Lösungen gefunden hat? Und wir 10, 20, 50 Kilometer nebendran?! Was kümmert den GAU die Entfernung, wenn nur der Wind richtig weht? - Fragen unserer Zeit. Nur einige unter vielen.
Welche Welt wird in 20, in 30 Jahren sein, wenn mein Sohn voll im Leben steht und beginnt, Verantwortungen zu übernehmen? Alles wird sich fließend verändern. Manchmal auch abrupt. Damit wir alle mal aufwachen, bevor wir gleich wieder einschlafen, ein Meer voll Schlaf, ein ganzes, großes Meer voll.
Auf dem Mars könnte man Spargel anbauen! Und in mehreren Metern Tiefe könnten Mikroben leben. Überlebende? - Was ist geschehen auf dem Roten Planeten? Ein paar Tausende oder Zehntausende, vielleicht ein paar Millionen Jahre zuvor?
Wenn ich nicht verstehen wollte, nicht verändern wollte, nicht begreifen wollte. Wenn ich keinen Ehrgeiz hätte. Wenn ich mich nicht einbringen wollte, nicht mitgstalten wollte... - was bliebe dann eigentlich? - Vielleicht der Genuss, ja, und die Freude. Vielleicht auch nur noch der Schlaf, dem die Leidenschaft weichen würde.
Gedanken. Denken. Lauschen. Schreiben. Sonst nichts. Schreiben ist manchmal eine Form der Kontemplation. Hat ein bisschen was von Leerwerden. Aber nicht wirklich, es geht tief, aber es bleibt doch an der Oberfläche der Tiefe. Darunter ist die Welt ohne Worte. Eine glutflüssige Asthenosphäre, in der sich Worte und Gedanken auflösen. Zeit schmilzt. Raum wird grenzenlos weit. Eine uneingeschränkt blaue Welt. - Aber ich meditiere nicht in diesen Tagen. Gleich gibt es stattdessen einen Café au lait. Ich mache heute blau!
Samstag, 28. Juni 2008
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6 Bodensignale:
*seufz*
Selbst im Blaumachen wirfst du noch Fragen auf. Fragen, wie sie schon mal so durch den Geist schwirren und man (ich) sie wieder beiseite schiebt. Schnell weiter im Text, weiter im Leben. Nicht zu sehr darüber nachdenken, was sein könnte, falls die Konzepte alle nicht greifen und sich als falsch erweisen. Was weiß schon ich?
Nichtsdestotrotz wünsche ich dir, dass die Fragen für heute von dir ablassen, verschwinden, du dich hinabgleiten lassen kannst in die wiegende Bläue und Erholung findest.
... und einen Café au lait! ;)
Nur ein paar Fragenfragmente, nichts weiter.
Ja. Für dich ist es "nur".
Aber es ist kein "nur". Jedenfalls nicht für mich.
Ich mag es, wie du schreibst.
Und das lass ich jetzt einfach mal so stehen...
Sehr verantwortungsbewusst, sich ein paar Gedanken zu machen; trotzdem wohlwissend, dass man erst die eigenen Energievorräte auffüllen muss, bevor man sich Gedanken über die Energien der Welt macht.
Und Selbständige werden vom Umfeld ohnehin oft eher als 'Zeithaber' empfunden; wenn man morgens nicht 'weggeht', liegt man ja anscheinend automatisch den ganzen Tag nur herum und hat doch ganz bestimmt Zeit, noch mal eben dies und jenes nebenbei zu erledigen. Drum ist es umso wichtiger, mal wirklich einen Tag der Muße einzuschieben - um dem Bild gerecht zu werden. ;)
/etosha
Die eigene Energieversorgung muss mindestens so regenerativ sein wie die globale!
Unabhängig davon, an welchem Ort man seine Selbständigkeit ausübt: Bei den meisten trifft sicherlich zu, dass sie halt für ALLES ZUSTÄNDIG sind. Aber darüber könnten wir sicherlich ganze Bücher schreiben...
/meise
Ich lasse das jetzt auch einfach so stehen! ;-)
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