Die Zeit, die Zeit, die Zeit. Sie läuft nicht im Kreis, sie geht stets voran. Und wo sie an ihre Grenzen stößt, da löst sie sich auf und mit ihr der Raum. Wir leben herrlich rasend dieser Tage. Wir Menschen werden immer schneller. Die lange Weile wird immer spärlicher. Ein seltenes Lob der Langeweile an dieser Stelle! Bisher war ich froh, dass ich sie nicht kenne. Aber wer weiß, sie birgt Geheimnisse in sich, Möglichkeiten, Keimzellen unbekannter Dynamik, aus Entschleunigung geboren, aus Stillstand, aus dem unbändigen, nervösen Drang nach Bewegung. Was jetzt ist, ist stattdessen das Fernziel eines Stillstands, evoziert im Kleinhirn eines Hamsters in seinem Laufrädchen.
Die Zeit, die Zeit... Pack sie am Schopf! Wirf sie raus dem Kopf! Sei zeitlos einen Augenblick lang, der per Definition dann Ewigkeit wird. Zeitknappheit ist ein schrecklich zeitgemäßes Motto, ein Zeichen unserer Zeit. Wie herrlich allumfassend muss die Langeweile vergangener Jahrhunderte gewesen sein! Irgendwo in einem abgelegenen Dörfchen. Mit einem abgelegenen Acker. Mit einem abgelegten Traum am Rande der alltäglichen Scholle, die so unendlich viel Zeit braucht, dass die Zeit niemals knapp werden könnte. Nach getanem Werk dann ein Hirsebrei mit Spiegelei. Schnell noch ein Kind gezeugt und dann der Schlaf der Gerechten. Wer braucht mehr im Leben!
Bauernromantik. Nostlagie nie erlebter Zeiten. Dem heimatlosen Vaganten, der von der Hand in den Mund lebte, erging es hochgradig anders. Seine Zeit wurde eher vom Hunger gesteuert: wenn es Zeit wurde, irgendetwas von der Hand in den Mund zu bekommen! - Und auch heute: Von der Entschleunigung zu philosophieren ist das Privileg derjenigen, die sich Zeitlosigkeit leisten können. Andere wissen vielleicht nicht einmal, wohin mit ihrer Zeit, mit ihrer Kraft, mit ihrem Wesen, ihren Wünschen, ihren Visionen. Keiner will sie haben. Arbeitslosigkeit = Zeitwohlstand. Vielleicht. Aber das Wohlsein könnte schnell zu kurz kommen, wenn der Lebensinhalt sich langzieht wie zähes Kaugummi. Der Flow kommt zu kurz. Auch keine Lösung.
Jahrtausende! Jahrmillionen! Jahrmilliarden! Sie lehren uns, den Augenblick zu genießen, zu nutzen, zu pflücken den Tag. Die Erde ist uralt. Wir sind Eintagsfliegen auf unserem Planeten und ein Nichts im Universum, ein noch größeres Nichts zwischen den nebulösen Dimonsionen hypothetischer Multiversen. Und doch sind wir alles! Tag für Tag.
Jetzt wollen sie - die Menschheit - Teilchen beschleunigen, so schnell, dass es manchen den Urknall aus den Ohren schütteln wird. *Higgs!* "Imagination is more important than knowledge." Warten wir´s ab! Es kommt alles immer schneller. Die Welt wird immer kleiner, je größer sie wird. Irgendwo werden wir vielleicht an einen Gedanken kommen, an eine Erkenntnis, an eine Imagination, die Wissen wird. Und von da an wird außen die Zeit weiter wie wild wirbeln, innen aber wird Ruhe im Auge des Hurricanes einkehren: Stille, Stillstand, stilles Staunen über das endlose Ausmaß des Nichts.
Bis dahin werden wir uns noch in Hektik messen wie Hamster im Laufrad, nichtsahnend von der allumfassenden Zeitlosigkeit. Wo sie beginnt? ...gleich hier, nach der Ecke rechts, oder auch links, direkt in der Nachbarschaft!
Freitag, 18. Juli 2008
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3 Bodensignale:
Sich Zeitlosigkeit zu gönnen klappt kaum, steht man verantwortungsbewusst im Berufsleben, doch es lohnt sich, sich ab und an dazu zu zwingen. Man kann zu sich selbst zurückkehren und etwas genießen, das man sonst auch nur selten selbst im Urlaub findet: Sich selbst und seinem eigenen Rhytmus zuhören zu können.
Meine Antwort nach dem Beginn hieße demnach: Sie beginnt mit uns und in uns.
Der Beginn der Zeit? Beginnt sie mit uns? Gibt es das Geräusch eines aufschlagenden Baumes, wenn es keine gäbe, die ihn hören könnten? - Interessante Fragen! Und freut mich, von Ihnen zu lesen, werter Lichtträger!
Schön, wieder die Zeit gefunden, nein, genommen zu haben, bei Ihnen zu lesen und zu kommentieren ;-)
Zeit wird stets subjektiv empfunden, daher muss Zeit mit dem Individuum beginnen. Für sich genommen, fern des Zeit Bemessenden, ist Zeit zeitlos und damit ohne Anfang und ohne Ende. Diese Antwort birgt für jede Frage eine Antwort ;-)
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